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Traurige Gedanken

Die Sonne sprach zu Gott,
auf der Erde herrscht Not.
Die Liebe ist ausgestorben,
ich sehe nur noch ein Morden.
Wie kannst Du nur ruh'n,
Du solltest was dagegen tun!
Aber Gott gab schnell zur Antwort,
es gibt auch manchen friedlichen Ort.
Dorthin lenke ich meine Blicke,
denn wenn ich eine Sintflut schicke,
dann wird vernichtet alles auf Erden
und auch die Guten werden sterben.
Darauf sprach der Mond,
der nachts dort oben thront:
Selbst wenn es dunkel in der Nacht,
wird auf Erden, Krieg gemacht.
Viele Menschen können nicht schlafen,
bedroht ist ihr Leben durch schlimme Waffen.
Es müsste eine gerechte Strafe geben,
die erleichtern würde der Armen Leben.
Und Gott der Herr sprach,
ich denke ja schon nach!
Ich selbst beginne zu vermissen
das menschliche Gewissen.
Wenn es mir gelingt, das zu erwecken,
wird der Mensch andere Werte entdecken.
Ein Mensch, dessen Gewissen nicht rein,
kann ja eigentlich nicht glücklich sein.
Die Sterne mischten sich nun ein:
Gewissen zu wecken wäre sicher fein.
Vielleicht herrschte dann Frieden,
die Menschen könnten wieder lieben,
könnten wieder tanzen und springen
und statt morden fröhlich singen!
Und so ziehen in weiter Ferne,
Sonne, Mond und Sterne
weiterhin unentwegt ihre Bahn
und sehen sich das Treiben der Menschen an.
Gott aber hofft auf der Menschen Gewissen
wird es aber weiterhin noch oft vermissen.
Wie lange wird er wohl noch zuseh'n,
war doch "seine" Erde mal so schön!
Gelesen bei Heidi

Eines Tages traf er auf einen goldenen Käfig, der ihm an Schönheit ebenbürtig war und der ihm - ebenso verzaubert - anbot, zu bleiben, ihn als Behausung zu nutzen. Da sich der kleine Paradiesvogel von diesem sanftmütigen Käfig angezogen fühlte - seine ruhige Art war Labsal für die eigene Quirligkeit - und er sich zudem nach einem ständigen Zuhause sehnte, willigte er ein, zu bleiben. Er bat allerdings darum, dass die Tür immer offen stehen sollte. Seine neue Unterkunft hatte nichts dagegen und wähnte sich glücklich, ein Heim für den bezaubernden Vogel sein zu können.
Die gemeinsamen Jahre verstrichen schnell und der Paradiesvogel gewöhnte sich an das Leben im neuen Heim. Von Zeit zu Zeit genoss er zwar immer noch seine Streifzüge durch die Wälder, doch er verbrachte mehr und mehr Zeit damit, sein Heim wohnlicher einzurichten. Darüber hinaus besaß er auch bald schon selber ein paar kleine Paradiesvögel, die es aufzuziehen galt. Je mehr Zeit er allerdings für seine Sprösslinge benötigte, desto seltener wurden seine Ausflüge. Die Tür blieb immer häufiger verschlossen, ja sie rostete sogar beinahe ein.

Anfangs erfreute er sich an einem Leben, so ganz anders. Zwar nicht immer einfach, aber so doch in einer angenehmen Atmosphäre und hatte nicht einmal das Gefühl, etwas zu vermissen. Er hatte ja den goldenen Käfig und seine Sprösslinge. Doch je mehr Jahre verstrichen und je selbstständiger die Kleinen wurden, desto mehr schien dem Paradiesvogel etwas zu fehlen - noch wusste er jedoch nicht, was es war.
Eines Tages stieß er dann ganz beiläufig gegen die geschlossene Tür des goldenen Käfigs, doch sie blieb verschlossen. Erst nach einigen Anläufen gelang es ihm, das rostige Scharnier zu bewegen. Im gleichen Moment strich ein warmer Wind um seine Flügel und berührte sanft sein Herz. Es schien als ob sich mit einem Male sein Gefieder wieder aufzurichten und zu erstrahlen begann.
"Jetzt weiß ich, was mir gefehlt hat!", rief er freudig aus.
Durch die Stimme seines Gefährten aufmerksam geworden, fragte der goldene Käfig: "Was machst du da?"

"Ich möchte sehen, ob ich noch fliegen kann, ob mich die Welt noch mag, ob ich in ihr noch bestehen kann, ob ich noch der bin, der ich einmal war…" Mit jedem streichelnden Luftzug brannten ihm mehr Fragen auf der Haut.
"Aber das brauchst du doch nicht, du hast doch mich! Ich mag dich und akzeptiere dich so, wie du bist", versuchte der Käfig den Paradiesvogel am Fliegen zu hindern. Er bekam Angst, ihn zu verlieren.
 
"Es reicht mir aber nicht mehr. Ich bin nicht hier auf der Erde, um nur in deinem Käfig zu bleiben, so schön es hier auch ist." Hin und her gerissen hüpfte der kleine Vogel dabei von einem Bein auf das andere und zupfte wie früher vor jedem Flug seine Federn.
"Bitte bleib, kleiner Vogel, ohne dich bin ich so leer und ich weiß nicht, ob ich so alleine leben kann." Traurig quietschten seine einzelnen Stäbe und etwas Gold blätterte auf den Vogel herab.
"ich brauche dich doch auch. Ich möchte mir doch kein neues Zuhause suchen, aber ich kann einfach nicht nur bei dir bleiben…", antwortete er, und, da er spürte, wie traurig der Käfig war, fügte er hinzu: "…ich komme ja wieder!"
Eine Weile schwiegen beide nachdenklich nach Worten ringend - Worte, die den anderen nicht verletzen, ihm aber doch zeigten, was man fühlte und wollte. Erst als es zu dämmern begann und der Himmel bereits seine Farben änderte, sagte der Käfig in kaum hörbarem Ton: "Ich weiß, dass ich dich nicht mit Gewalt halten kann. Liebe ist ein Kind der Freiheit … also flieg mein kleiner Freund … ich bin in Gedanken bei dir!"
 
In dem Augenblick öffnete sich die Tür wie von selbst ein Stück weiter und ein letzter Sonnenstrahl traf die Federn des Paradiesvogels. Und plötzlich erhielt sein Gefieder den verlorenen Glanz zurück und vermischte sich mit den wechselnden Farben am Horizont. Ein Kribbeln durch alle Muskelfaser durchströmten ihn eigenartig wohl und in Gedanken an vergangene Tage und in der Vorfreude auf einen neuen Lebensabschnitt in fast vergessenen Gefilden, hob er lächelnd seinen Kopf, dem treuen Freund dankend: "Ich komme wieder, denn auch ich brauche dich!"
 

Mit diesen Worten hob er an, schwang sich in die Lüfte, drehte zum Abschied ein paar zaghafte Pirouetten, und als sie ihm gelangen, verschwand er mit einem Salto im Abendrot. Sein Gefieder erstrahlte dabei tausend mal schöner als früher, hatte er doch neben seiner Freiheit nun einen treuen Freund, der auf ihn wartete, ihn auffing und umsorgte, wenn er sich - müde und zerschlagen von seinen Streifzügen - nach seinem Zuhause sehnen würde.
(von Bettina Fröhlich)