Der Paradiesvogel
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Es war einmal ein kleiner, bunter Paradiesvogel, heiter und unternehmungslustig und voller innerer Schönheit und Anmut anzuschauen. Sein Gefieder schien durch die Freiheit, die er genoss und die Werte, die er besaß, wie von innen heraus zu erstrahlen. Viele waren von ihm angetan, ließen sich durch sein Spiel, seine Art begeistern, ja verzaubern, waren von ihm angezogen und bewunderten ihn schlechthin. Und selbst wenn er manche Neider besaß, so störte es ihn doch nur wenig, denn er ruhte in sich selbst. Er wusste worauf es für ihn im Leben ankam. |
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Eines Tages traf er auf einen goldenen
Käfig, der ihm an Schönheit ebenbürtig war und der ihm - ebenso
verzaubert - anbot, zu bleiben, ihn als Behausung zu nutzen. Da sich der
kleine Paradiesvogel von diesem sanftmütigen Käfig angezogen fühlte -
seine ruhige Art war Labsal für die eigene Quirligkeit - und er sich
zudem nach einem ständigen Zuhause sehnte, willigte er ein, zu bleiben.
Er bat allerdings darum, dass die Tür immer offen stehen sollte. Seine
neue Unterkunft hatte nichts dagegen und wähnte sich glücklich, ein Heim
für den bezaubernden Vogel sein zu können. |
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Anfangs erfreute er sich an einem Leben,
so ganz anders. Zwar nicht immer einfach, aber so doch in einer
angenehmen Atmosphäre und hatte nicht einmal das Gefühl, etwas zu
vermissen. Er hatte ja den goldenen Käfig und seine Sprösslinge. Doch je
mehr Jahre verstrichen und je selbstständiger die Kleinen wurden, desto
mehr schien dem Paradiesvogel etwas zu fehlen - noch wusste er jedoch
nicht, was es war. |
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"Ich möchte sehen, ob ich noch fliegen
kann, ob mich die Welt noch mag, ob ich in ihr noch bestehen kann, ob
ich noch der bin, der ich einmal war…" Mit jedem streichelnden Luftzug
brannten ihm mehr Fragen auf der Haut. "Aber das brauchst du doch nicht, du hast doch mich! Ich mag dich und akzeptiere dich so, wie du bist", versuchte der Käfig den Paradiesvogel am Fliegen zu hindern. Er bekam Angst, ihn zu verlieren. |
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"Es reicht mir aber nicht mehr. Ich bin
nicht hier auf der Erde, um nur in deinem Käfig zu bleiben, so schön es
hier auch ist." Hin und her gerissen hüpfte der kleine Vogel dabei von
einem Bein auf das andere und zupfte wie früher vor jedem Flug seine
Federn. "Bitte bleib, kleiner Vogel, ohne dich bin ich so leer und ich weiß nicht, ob ich so alleine leben kann." Traurig quietschten seine einzelnen Stäbe und etwas Gold blätterte auf den Vogel herab. "ich brauche dich doch auch. Ich möchte mir doch kein neues Zuhause suchen, aber ich kann einfach nicht nur bei dir bleiben…", antwortete er, und, da er spürte, wie traurig der Käfig war, fügte er hinzu: "…ich komme ja wieder!" Eine Weile schwiegen beide nachdenklich nach Worten ringend - Worte, die den anderen nicht verletzen, ihm aber doch zeigten, was man fühlte und wollte. Erst als es zu dämmern begann und der Himmel bereits seine Farben änderte, sagte der Käfig in kaum hörbarem Ton: "Ich weiß, dass ich dich nicht mit Gewalt halten kann. Liebe ist ein Kind der Freiheit … also flieg mein kleiner Freund … ich bin in Gedanken bei dir!" |
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In dem Augenblick öffnete sich die Tür wie
von selbst ein Stück weiter und ein letzter Sonnenstrahl traf die Federn
des Paradiesvogels. Und plötzlich erhielt sein Gefieder den verlorenen
Glanz zurück und vermischte sich mit den wechselnden Farben am Horizont.
Ein Kribbeln durch alle Muskelfaser durchströmten ihn eigenartig wohl
und in Gedanken an vergangene Tage und in der Vorfreude auf einen neuen
Lebensabschnitt in fast vergessenen Gefilden, hob er lächelnd seinen
Kopf, dem treuen Freund dankend: "Ich komme wieder, denn auch ich
brauche dich!" |
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Mit diesen Worten hob
er an, schwang sich in die Lüfte, drehte zum Abschied ein paar zaghafte
Pirouetten, und als sie ihm gelangen, verschwand er mit einem Salto im
Abendrot. Sein Gefieder erstrahlte dabei tausend mal schöner als früher,
hatte er doch neben seiner Freiheit nun einen treuen Freund, der auf ihn
wartete, ihn auffing und umsorgte, wenn er sich - müde und zerschlagen
von seinen Streifzügen - nach seinem Zuhause sehnen würde. |